Danke für das Gipfeli!

In: Geschichten von Simu

7. Jun 2015

Nach Aufwand minimierter, aber dennoch erfolgreicher, Rekrutenschule habe ich 1996 die Stelle bei der Telecom PTT in Ostermundigen angenommen. Mein Job war es, in einem kleine Team die Kunden- und Telefonnummerndatenbank-Software zu testen. Die tagtägliche Arbeit war also, Fehler in der neuen Software zu finden, bevor diese in Produktion ging. Wenn wir also einen Bug nicht in der Abnahmephase entdeckten, kam ab und zu die ganze Software schweizweit zum Erliegen. Das war jedoch auch schon das spektakulärste, was dort passierte – es gab also selten Schelte und noch seltener Lob. Bis eines morgens.

Ich kam wie gewohnt spät ins Büro, nachdem ich lange nach einem Parkplatz suchen musste in der blauen Parkbussenzone. Zu meiner grossen Freude hatte es ein frisches Gipfeli auf meinem Schreibtisch. Meine hübsche Pultnachbarin – für welche ich ein wenig schwärmte – sagte mir leicht euphorisch: „Das ist von Herrn Schmid, dem Abteilungsleiter! Er wollte sich mit dieser Geste bei dir bedanken, dass du ihm am Vortag so toll bei seinem PC Problem geholfen hast“.

Da mein ausserordentliches Informatikverständnis offensichtlich war, hielt ich auch die Aufgabe des Abteilungs-Superusers inne und löste die meisten kleineren IT Probleme selbständig, ohne den schauderhaften Services von den „IT Services“ kontaktieren zu müssen.

Sichtlich gerührt stolzierte ich zu Herrn Schmid ins Büro und sagte frohlockend: „Lieber Herr Schmid, ich danke ihnen sehr für diese nette Geste!“

Herr Schmid zuckte mit den Schultern und fragte etwas verwirrte“: Welche Geste denn?“

Etwas verunsichert ergänzte ich“: Na, wegen dem Gipfeli!“

Sichtlich genervt sagte: „Kommen sie auf den Punkt, was ist mit welchem Gipfeli?“

Nun dämmerte es mir langsam und mir war klar, dass Herr Schmid nichts – aber auch rein gar nichts – mit diesem Gipfeli zu tun hatte und so blieb mir nur ein peinliches „Ah, ich muss da was verwechselt haben, entschuldigen sie bitte die Störung“. Mit gesenktem Haupt und hängenden Schultern verliess ich  das – für einen so kleinen Mann viel zu grosse – Büro. Auch auf unterster Stufe hingen seine kurzen Beinchen in der Luft, wenn er auf dem Bürostuhl sass.

Als ich zurück in unser Team-Grossraum-Büro stiess, hatte auch schon jemand ein ziemlich schlechtes Gewissen – aber vor allem auch eine schelmische, kindliche Freude, welche sich in einem über beide Ohren grinsenden Gesicht unübersehbar äusserten.

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